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Pressemitteilung des re:set e. V. vom 11.04.2016

Gute Entscheidungen treffen lernen

Jenaer re:set e. V. erhält Förderung für Kompetenztraining mit jugendlichen Straftätern

Der Arrest ist eine im deutschen Jugendstrafrecht verankerte Maßnahme, um Jugendlichen die Konsequenzen von strafbaren Handlungen deutlich zu machen. Der Gedanke der Erziehung steht vor der Bestrafung. Deshalb sind intensive soziale Projekte hier möglich und wichtig. Die ein bis vier Wochen, die die Arrestanten in der Regel hinter verschlossenen Türen verbringen, sollen mehr sein als der bloße Entzug von Freiheiten. Vielmehr erhalten die männlichen und weiblichen Arrestanten die Möglichkeit, ihre Taten und den damit eingeschlagenen Lebensweg zu reflektieren. Dabei brauchen sie nicht selten Unterstützung von außerhalb der Mauern – etwa vom re:set e.V.
Der in Jena ansässige Verein hat sich unter anderem der Betreuung von jugendlichen Straftätern verschrieben – und das offenbar mit Erfolg. Gerade einmal vor anderthalb Jahren gegründet, erhielt re:set nun bereits zum zweiten Mal Fördermittel vom Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, um Kompetenztrainings in der Thüringer Jugendarrestanstalt in Arnstadt durchzuführen. Die insgesamt fast 15.000 Euro – und damit nahezu doppelt so viel wie im Vorjahr – fließen in das Projekt „TatSache“. Dieses sieht für 2016 zwei jeweils einwöchige Trainings mit jeweils sechs bis acht Jugendlichen vor, inklusive einer halbjährigen Nachbetreuung. Inhaltlich sind die Kurse nach den konkreten Hauptstraftaten ausgerichtet und beschäftigen sich mit den Themen Gewalt, Drogen, Eigentumsdelikten und Rechtsextremismus. „Uns ist es wichtig, dass die Jugendlichen im Arrest nicht einfach nur weggesperrt werden, sondern dass sie sich mit ihrer Tat auseinandersetzen“, sagt Friederike Wilfer, die Vorsitzende von re:set. „Dabei müssen sie zum einen verstehen, was sie überhaupt falsch gemacht, und zum anderen, warum sie so gehandelt haben. Vielen ist gar nicht klar, auf welche Weise sie gegen das Gesetz verstoßen haben.“ Das sei auch ein Grund, warum die meisten Insassen Wiederholungstäter sind, für die der Jugendarrest die letzte Warnung vor einer Verurteilung mit anschließendem Jugendstrafvollzug ist. So erklärt etwa Tina Pestel, Ergotherapeutin und re:set-Mitglied, während des Trainings die physischen Folgen von Körperverletzung.
Die 14- bis 21-Jährigen finden in den Trainings oft zum ersten Mal einen Raum, um sich mit ihrem bisherigen Lebensweg auseinanderzusetzen – und auch darüber zu sprechen. „Das klingt banal, aber es macht sonst keiner mit ihnen“, sagt Wilfer, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Margret Kühnapfel die Trainings in Arnstadt durchführt. Als Gesprächspartner kommen dabei nicht nur die Sozialarbeiterinnen infrage sondern auch die anderen Jugendlichen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. „Es entwickeln sich oft spannende Diskussionen innerhalb der Gruppe, die dabei helfen, dass die Jugendlichen das eigene Handeln reflektieren“, sagt die Vorsitzende des Jenaer Vereins. „Erst hier, abgetrennt vom gewohnten Umfeld, können sie mit unserer Hilfe selbstverständlich gewordene Handlungsmuster infrage stellen und aufbrechen.“ Während des Trainings erarbeiten Wilfer und Kühnapfel gemeinsam mit den Jugendlichen in kleinen Übungen die Stärken und Schwächen aller Teilnehmer. So lassen sich Strategien entwickeln, mit denen sie in Zukunft bessere Entscheidungen treffen können, um die häufige Kriminalitätsspirale zu durchbrechen. Durch selbstgesetzte Ziele für die Zeit nach dem Arrest erhalten die Jugendlichen eine Orientierung, die ihnen dabei hilft, bisherige Automatismen abzustellen. Während einer aufsuchenden Nachbetreuung sind die beiden re:set-Mitglieder außerdem weiterhin Ansprechpartner für einige Trainingsteilnehmer, um ihnen den Rücken dabei zu stärken, ihr Leben zu verändern und sich gegebenenfalls von negativen Einflüssen des bisherigen persönlichen Umfelds zu lösen.
Anbei ein Foto: Tina Pestel, Margret Kühnapfel und Friederike Wilfer (v.l.) bereiten das nächste Kompetenztraining vor.

pm_01 (Foto: Friederike Wilfer/ re:set e.V.)

Zum Verein

Der re:set e.V. wurde im Oktober 2014 gegründet und besteht derzeit aus vierzehn Mitgliedern. Als freier Träger möchte er Projekte und Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Beratung und Prävention fördern und unterstützen. Das betrifft vor allem die Jugendsozialarbeit, Bildungsprojekte an Schulen aber auch die allgemeine Lebensberatung.



Jahresbeginn 2016

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